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Im 2.Teil meiner Reihe ging es darum, dass jeder von uns innere Anteile in sich trägt. Sie kennen das bestimmt auch. Diese Anteile kommunizieren mit uns und solange wir im inneren Dialog mit uns selbst sind, ist das auch völlig in Ordnung. Sorgen sollten Sie sich nur machen, wenn Sie Stimmen von außen hören und außer Ihnen sonst niemand da ist. Wenn man sich die inneren Wächter aus Teil 2 so ansieht, ist man in einer ersten Reaktion vielleicht dazu geneigt, sie wegzudrängen. Allerdings werden durch ein derartiges Verhalten, diese Anteile nur noch mächtiger. Man ist also gut beraten einen Pakt mit ihnen zu schließen und sie zu unseren Verbündeten zu machen. Ich bediene mich hier eines Axioms aus der NLP die besagt: „Jedes Verhalten war oder ist in irgendeinem Kontext nützlich und folgt einer positiven Absicht.“
„Wie kann etwas nützlich sein oder gar eine positive Absicht haben, wenn es mich durch Lampenfieber doch eher behindert?“ denken Sie vielleicht jetzt. Als erste Reaktion ist das verständlich, nur wenn Sie etwas tiefer in das Thema einsteigen, kommen wirklich erstaunliche Dinge zu tage. Das Ganze wird verständlicher, wenn wir zwischen der positiven Absicht und dem negativen Verhalten trennen.

Eine typische Situation könnte ein Vater sein, der seinen Sohn während dessen Ausbildung immer wieder darauf hinweist, wie dumm dieser doch sei. Im Übrigen kommt das in Familien sehr häufig vor. Die positive Absicht des Vaters ist hierbei, dem Sohn dazu anzuspornen ihm zu beweisen, dass der Vater falsch liegt. Das negative Verhalten ist das Herunterputzen des Sohnes. Diese Erziehungsmaßnahme funktioniert leider nicht. Zumindest habe ich noch nie gesehen das es tatsächlich funktioniert. Ganz im Gegenteil, es hinterlässt bleibende Spuren in der Entwicklung des Kindes. Warum hat der Vater es trotzdem gemacht? Weil er in dem Moment keine andere Wahlmöglichkeit hatte. Hätte er eine gehabt, er hätte wahrscheinlich eine Alternative gewählt. Was heißt das nun für unsere inneren Wächter?

Beginnen wir wie im 2. Teil mit dem oder der Kontrollierten.

Der oder die Kontrollierte
Positive Absicht:
Schutz vor Scham und Zweifel

D.h. dieser Wächter hat immer darauf geachtet, dass Sie nie in eine unangenehme Situation kommen, bei der Sie sich vielleicht blamieren könnten.

Der oder die Perfektionist/in
Positive Absicht:
Schutz vor Risiken, Fehlern und Schuldgefühlen

D.h. er hat in all den Jahren darauf aufgepasst, dass Sie sich nicht mit Schuldgefühlen und Fehlern herumplagen mussten. Klar so kontrolliert wie er ist, passiert das auch höchst selten.

Der oder die Antreiber/in

Positive Absicht:
Schutz vor Unterlegenheit und Minderwertigkeit

D.h. er hat Sie vor Minderwertigkeitsgefühlen und Unterlegenheit bewahrt. Er kann aber auch ziemlich sauer werden, wenn Sie mal wirklich unterlegen waren.

Der oder die Allen Rechtmacher(in)
Positive Absicht:
Schutz vor der Angst Verlassen zu werden

D.h. er hat speziell darauf geachtet, dass Harmonie im Leben eine hohe Priorität hat. In so einem Umfeld geht keiner gerne.

Der oder die Be-und Verurteiler/in

Positive Absicht:
Schutz vor jeder Art seelischen Missbrauchs

D.h. dadurch das er Sie schon heruntergeputzt hat, kann das ja schon kein anderer mehr. Dieser Wächter hat eindeutig den goldenen Stern verdient. Sein Verhalten macht einen echt schwer zu schaffen.

Alle wie sie da sind unsere inneren Wächter, sie haben mehr oder weniger gut versucht uns im Leben zu schützen. Ihre positive Absicht ist nun auch klar erkennbar, aber eben auch ihr negatives Verhalten. Damit so ein innerer Wächter aber nun seine Verhaltensweisen ändern kann, benötigt er Ihre Unterstützung. Am besten zeige ich das anhand eines Beispiels aus meiner Coachingpraxis.

Eine junge Frau, nennen wir sie Bärbel rief mich am Abend an und bat um Hilfe. Bärbel studiert und sollte mit einigen anderen Studenten einen Vortrag am Folgetag an der UNI halten. Sie sollte am Folgetag eine Präsentation zum Thema Psychologie halten. Völlig verzweifelt erzählte sie mir, dass sie dies nicht tun könne. Aus diesem Grund werde sie wohl morgen nicht zu dieser Veranstaltung gehen und sagen, dass sie krank sei. Magenschmerzen, Übelkeit und eine hohe Nervosität waren Ihre Symptome. Ich war gerade im Auto geschäftlich nach Österreich unterwegs und überlegte, wie ich ihr am Telefon helfen konnte. Nach einigen Versuchen, die nicht sehr hilfreich waren, kam mir folgende Idee. Ich fragte Bärbel ob sie dieser Angst einen Namen geben kann. Bärbel überlegte einen Moment und meinte dann „Klar kann ich das, es ist Alice, sie möchte das ich das morgen nicht mache“. Ab diesen Moment war plötzlich alles anders. Nachdem Bärbel ihrem Anteil einen Namen gab, war plötzlich Abstand da und wir redeten erstmal nur über Alice. Irgendwann stellte ich die Frage nach der positiven Absicht von Alice. Schnell fanden wir heraus, dass Alice, Bärbel nur schützen möchte. Leider hat Alice nur die Symptome von Übelkeit, Magenschmerzen und Nervosität zur Verfügung, um Bärbel zu schützen. Wir vereinbarten dann folgendes. Bärbel ging zu der Veranstaltung und kurz vor ihrem Auftritt nahm sie Kontakt zu Alice auf. Sie bedankte sich bei Alice für alles was sie für sie bereits getan hatte, um sie zu schützen. Sie versprach Alice, dass sie auch in Zukunft noch auf sie zählen wird und dass sie ohne sie nicht klarkommen wird. Sie teilte Alice auch mit, dass sie heute erwachsen ist und deshalb viele neue Ressourcen in sich trägt, die es ihr ermöglichen diese Präsentation zu halten. Alice beruhigte sich daraufhin extrem stark und mit dem Bewusstsein weiterhin für Bärbel da zu sein, unterstützte sie Bärbel sogar. Bärbel hielt nicht nur ihren Vortrag, sie präsentierte auch die Ergebnisse von zwei anderen Gruppen deren Studenten wegen Krankheit ausgefallen waren. Mit seinen inneren Anteilen in Kontakt zu treten ist also ein wirklich mächtiges Tool um eine positive Veränderung im Leben zu bewirken.

 

Hier nochmal die Schritte in Kurzform:

Werden Sie sich bewusst, dass Sie innere Anteile ins sich tragen.
Belastet Sie einer dieser Anteile, identifizieren Sie ihn.
Geben Sie dem inneren Anteil einen Namen – das schafft Abstand
Finden Sie die positive Absicht des inneren Anteils heraus
Treten Sie in Kontakt mit dem inneren Anteil
Wertschätzen Sie ihn und bedanken Sie sich, dass er all die Jahre auf Sie aufgepasst hat.
Erklären Sie Ihren inneren Anteil, dass Sie heute älter sind und Ressourcen besitzen die Situation zu meistern
Schließen Sie eine Packt mit dem inneren Anteil indem Sie ihn bitten, weiterhin für Sie da zu sein und wachsam die Gegenwart zu checken. 

Gehen Sie auf die Bühne, machen Sie Ihr Ding und werden Sie erfolgreich.