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Historisches

Das 4 MAT-System wurde von Dr. Bernice Mc Carthy (USA Ende der 70-iger Jahre) entwickelt. Grundlage des Systems sind die vier oben beschriebenen Lerntypen. Die Theorie der Lerntypen geht auf John Dewey, Carl Jung und David Kolb zurück.

Katja Dyckhoff entwickelte das 4 MAT-System zu einem Format mit 18 Schritten. Dieses System hat sich seit Jahren als optimale Methode bewährt, Wissen in NLP und Coaching Ausbildungen effizient zu vermitteln.

Nico Pirner passte dieses System in ein 13 Schritte – Format an, um es für Präsentationen und andere Seminarinhalte zu vermitteln. Dabei wurde das 4 MAT-System um den Punkt „Alternative“ erweitert.

Einleitung

In diesem Artikel möchte ich ihnen das 4 Mat System vorstellen. Es gibt viele Beschreibungen über das 4Mat System im Netz. Hier wird zwar der Grundgedanke vermittelt, eine praktische Beschreibung und einer Struktur, habe ich bis jetzt aber nicht gefunden. Dies soll sich nun ändern!  Ich möchte ihnen den praktischen Nutzen dieses Systems zeigen. Anhand eines Beispiels gehen wir gemeinsam die einzelnen Schritte durch.

Seit Jahren gebe ich einen speziellen Kurs am Bildungszentrum Nürnberg. Es ist ein Excelkurs mit dem Titel „Die seltsamen Abenteuer des Bruno brExcel“. Ein kleines Mädchen wird in Nürnberg entführt und ein Stadtrat wird ermordet. Neben der Leiche befindet sich ein USB-Stick. Auf dem USB-Stick befindet sich, wie könnte es anders sein, eine Exceldatei. Die Teilnehmer spielen in zwei Teams gegeneinander. Das Team, welches zuerst das entführte Mädchen findet, hat gewonnen. Der Kurs findet an einem Abend statt und dauert 5 Stunden. Es geht mit einfachen Aufgaben los und endet mit der Erstellung einer Pivot-Tabelle. Alle Funktionen werden mit dem 4-Mat System erklärt. Seltsame Gebräue müssen getrunken werden und viele verrückte Rätsel sind mit Excel zu lösen.

Lerntypen

Vielleicht kennen sie das auch. Sie halten eine Präsentation oder ein Seminar und bemerken, dass ein Teil der Teilnehmer für das Thema brennt, die anderen gähnen, wieder andere werden ungeduldig.
Hier kann es daran liegen, dass nicht alle Lerntypen abgeholt werden. Im 4-Mat System geht man von vier Lerntypen aus:

Der Warum-Typ

Er frag sich, warum ist xy interessant? Warum ist es hilfreich nützlich, nötig?
Wenn er sein DARUM bekommt verhält er sich meist unterstützend gegenüber dem Kursleiter/Vortragenden. Er hat ein positives Gruppenziel im Fokus. Dafür ordnet er sich gerne auch mal zum Wohl der anderen unter.

Der Was-Typ

Er fragt meist „Wer hat es erfunden?“ Deshalb braucht er immer Zahlen, Daten, Fakten. Er wirkt distanziert und bisweilen auch etwas humorlos (sind es aber keineswegs). Alles wird genau analysiert und hinterfragt.

Der Wie-Typ

Er will sofort wissen wie es geht. Wie kann es sofort implementiert werden was bringt es usw.
Er ist oft ungeduldig, wartet der Redner noch 5 Minuten, weil noch nicht alles da sind, kommt um 09:02h die Frage „Fangen wir jetzt endlich an?“ Er braucht dringend den Überblick sowie Zwischen- und Endziele.

Der Wozu-Typ

Er fragt für was es in der Zukunft dient und was es verändert. Vor allem braucht er Szenarien oder auch Geschichten, damit er sich was vorstellen kann. Vergleiche helfen ihn den Stoff leichter aufzunehmen. Er ist locker und benötigt eine gewisse Leichtigkeit damit er sich wohl fühlt. Er will auch unterhalten werden. Er selbst spricht gerne und viel.

Leitfaden

Sicher hatten sie schon den ein oder anderen Seminarteilnehmer im Kopf, als sie die Typen durchgelesen haben. Tja und das wars dann auch schon. Halten sie sich einfach daran die verschiedenen Typen im Seminar oder bei einer Präsentation zu bedienen. Was ich damit sagen will ist, hier hören die Beschreibungen des 4-Mat Systems meist auf. Ich zeige ihnen nun meinen 13 Punkte Leitfaden, den sie ganz einfach für ihr Thema adaptieren können. Kürzlich rief mich eine Seminarteilnehmerin an, die das 4 Mat System jetzt sogar für ihren Podcast einsetzt.

Der 13 Punkte Leitfaden besteht aus:

1             ALLTAGSTRANSFER

2             REFERENZERFAHRUNG

3             METAPHER

4             PREFRAME/LOOP

5             BEISPIEL

6             DEFINITION

7             INDIKATION

8             ABLAUFDIAGRAMM

9             ALTERNATIV

10          DEMO

11          FEEDBACK/LOOP

12          ZUMACHEN

13          AUSBLICK

Um welches Thema geht es?

Ich wollte es mir in diesem Blogartikel nicht so einfach machen. Deshalb habe ich mich für eine Funktion von Excel entschieden. Eine Nachfrage bei Google ergibt folgendes Ergebnis:

“Die ZÄHLENWENNFunktion ist im Grundsatz eine Kombination aus der WENN-Funktion (logische Funktion) und der ANZAHL-Funktion bzw. der ANZAHL2-Funktion (statistische Funktionen). Deren Kombination ergibt, dass MS Excel eine Zelle immer nur dann zählt, wenn ein bestimmter Wert erfüllt wird.”

Das ist der Moment bei den der eine Teilnehmer ins Koma fällt und der andere zum Handy greift. Wollen wir mal sehen was das 4 Mat System  daraus macht. Also lehnen sie sich zurück, greifen sie zum Popcorn und genießen die Show.

1             ALLTAGSTRANSFER (WARUM und WOZU -TYP)

Was im alltäglichen Leben beschreibt das Thema am besten? Mindestens drei Beispiele, die die Arbeitsweise (dahinterstehende Logik) der Funktion nachvollziehbar erklärt. Teilnehmer abholen mit „Kennen sie das auch? Mal Handzeichen wer hat auch das Problem?) Beschreibung des Problems und heute gibt es dafür eine Lösung, wie großartig.

„Das ist im Prinzip wie wenn……“

Hierbei wird das Unbekannte mit etwas Bekannten im Gehirn gekoppelt. Da ist schon ein gewisses Wissensnetz vorhanden und die Teilnehmer können sich darunter etwas „vor-stellen“

Beispiel:

  1. Polizei stoppt bei Verkehrskontrollen heute nur jedes rote Auto.
  2. Kellner im Restaurant fasst die Bestellung zusammen ” Das waren dann 3 Bier und 2 Limo, kommt sofort.”
  3. Geldzählmaschine in Banken. Es werden ganz viele Münzen in den Automaten gelegt und dieser Sortiert und zählt dann die einzelnen Münzen.
  4. Ein Blitzer löst nur dann aus, wenn die zul. Höchstgeschwindigkeit überschritten wurde. Er macht dann ein Foto und zählt hoch.

2             REFERENZERFAHRUNG (WARUM und WAS-TYP)

Die Referenzerfahrung ist der Beweis (für den WAS-TYP), wie gut das Thema, Produkt, Verfahren etc. das Leben im Alltag erleichtert. Dadurch, dass auch noch eine persönliche Geschichte hinzukommt (Storytelling), wird das noch persönlicher.

Beispiel:

Ich selbst bin ein großer Fan dieser Funktion. Ich wende sie immer dann an, wenn große Datenmengen zu analysieren sind. Glauben sie mir, wenn sie erst einmal die Vorzüge dieser Funktion kennen, wollen sie diese nie wieder missen.

3             METAPHER (WARUM-TYP)

Mittels der Metapher soll der Effekt noch verstärkt werden. Eine gute Metapher regt das innere Hirnkino an und meine Erfahrung hat gezeigt, dass auch nur ein Stichwort aus der Metapher ausreicht, um sich wieder an das Thema, Verfahren, Produkt (egal wie komplex sie ist) wieder in Erinnerung zu rufen.

Beispiel:

Für eine Frau kommen nur die Männer in Frage die älter als 35 Jahre alt sind. Abends an der Bar sprechen sie acht Männer an. Von diesen acht Männern kommen nur drei in die engere Wahl. Alle anderen zählt sie nicht auf. Sie sind einfach zu jung, um ihren Ansprüchen zu genügen.

Sie zählt also nur dann die Männer als möglichen Partner, wenn sie älter als 35 Jahre sind.

4             PREFRAME/LOOP (WAS und WIE-TYP)

Der Preframe soll den Teilnehmern Sicherheit geben. Er ist der Rahmen, in dem wir uns in dieser Stunde mit dem Thema bewegen wollen. Neben der Sicherheit soll aber auch über einen Loop (auch Cliffhanger genannt) die Neugier auf die nächste Stunden und deren Themen geweckt werden. Teile des Themas werden schon erzählt und die Teilnehmer werden auf das Thema vorbereitet.

Beispiel:

Wir kümmern uns heute ausschließlich um die Funktion Zählenwenn, die Funkton Zählenwenn$ werden wir zu einem anderen Zeitpunkt betrachten.

5             BEISPIEL (WAS und WIE-TYP)

Ab hier beginnt es konkret zu werden. Welche Beispiele aus der Praxis kommen mit dieser Funktion zum Einsatz? Hier wird konkret erklärt, welche Aufgabe oder Funktion hier zum tragen kommt.

Beispiel:

  1. Urlaubsplan auf einen Blick wer ist wann in den Urlaub oder krank?
  2. Lagerbestand mit vielen Lagerorten, wieviel Teile habe ich von jeder Nummer?
  3. Anzahl Xe mit Garantiefällen für meine Abrechnungs-Statistik.
  4. Sie können damit auch ermitteln, wie oft eine bestimmte Stadt PLZ oder Name in einer
    Kundenliste vorkommt.
  5. Der Personalchef führt eine schwarze Liste über Personen, die zu spät kommen. Am Ende des
    Jahres will er wissen, welche Person wie häufig zu spät kam.

6             DEFINITION (WAS-TYP)

Der komplette Funktionsaufbau (mit allem möglichen Parameter und Bereichen) wird an die Tafel/Flipchart geschrieben. Jetzt wird jeder einzelne Teil genau besprochen und erklärt. Das Thema wird im Kopf nochmals auf Funktion oder Machbarkeit gecheckt. Das geht sehr gut mit den kleinen Geschichten aus Punkt 1 Alltagstransfer und Punkt 3 Metapher. Die Teilnehmer erarbeiten mit dem Trainer wie die Geschichten in das Thema eingebaut werden kann.

7             INDIKATION (WAS und WIE-TYP)

Wie und wo kann das Verfahren oder Produkt nun genau eingesetzt werden? Wo liegen die Grenzen und was ist mit möglichen Veränderungen noch zu erreichen?

Beispiel:

Verwenden Sie ZÄHLENWENN, eine der statistischen Funktionen, um die Anzahl der Zellen zu zählen, die ein Kriterium erfüllen. Mit der Funktion ZÄHLENWENN wird die Anzahl der Zellen in einem Bereich ermittelt, die einem einzelnen angegebenen Kriterium entsprechen. Sie können beispielsweise alle Zellen zählen, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen, oder alle Zellen, die eine Zahl enthalten, die größer oder kleiner als eine angegebene Zahl ist. Wenn Sie z. B. über ein Arbeitsblatt mit einer Reihe von Aufgaben in Spalte A und dem Vornamen der Person, der diese Aufgabe zugeordnet ist, in Spalte B verfügen, können Sie mit der Funktion ZÄHLENWENN ermitteln, wie oft der Name einer Person in Spalte B vorkommt, und auf diese Weise feststellen, wie viele Aufgaben dieser Person zugeordnet sind.

8             ABLAUFDIAGRAMM (WAS-TYP)

Das Thema wird als Ablaufdiagramm an die Tafel/Flipchart gezeichnet und Schritt für Schritt nochmals durchgenommen.

9             ALTERNATIV (WOZU-TYP)

Wie könnte das Ziel auch ohne das Verfahren, die Funktion, das Produkt erreicht werden? Welche Alternativen gibt es noch? Welche Vor- und Nachteile haben diese? Hier geht es um die Festigung des bisher erarbeiteten Wissens. Gerne darf es hier auch sehr kreativ bis schrill werden. Das lockert auf und wirkt sehr vertiefend.

Beispiel:

Um an dasselbe Ziel zu erlangen, könnte ich auch die Liste nach Suchbegriffen sortieren und diese dann einzeln mit Anzahl zählen und mir auf einem separaten Zellbereich notieren. Dies hätte dann aber den enormen Nachteil, dass ich immer wieder neu zählen muss, wenn Daten hinzukommen. Bei der Funktion muss ich lediglich den Zellbereich groß genug wählen (Ausnahme intelligente Tabellenformatierung)

10          DEMO (WIE-TYP)

Jetzt gehen im Seminar die Gruppen in die Übung. Der Vortragende kann die Funktion vorführen und zeigen wie sie funktioniert.
Für einen klassischen EDV-Unterricht mag das sehr befremdlich klingen. Aber erst jetzt schalten wir die PC´s an und lösen praktische Aufgaben zu der Funktion.

11          FEEDBACK/LOOP (WARUM und WOZU-TYP)

Was lief besonders gut? Wo gab es Schwierigkeiten? Was ist noch offen und kann geklärt werden? Fragen der Teilnehmer aufnehmen und Loops einbauen um die Teilnehmer auf weiteren Themen neugierig machen.

Beispiel:

Was lief besonders gut? Wo gab es Schwierigkeiten? Was ist noch offen und kann geklärt werden? Fragen der Teilnehmer aufnehmen und nested Loops einbauen um die Teilnehmer auf die weiteren Funktionen (z.B. SummeWENN) neugierig machen.

12          ZUMACHEN (WARUM-TYP)

Teilnehmer Wertschätzen und auf die weiteren möglichen Themen vorbereiten. Offene Fragen beantworten.

Beispiel:

Vielen Dank, dass sie so großartig mitgemacht haben. Wie sie sehen sind Funktionen in Excel kein Hexenwerk. Ich bin mir sicher dem ein oder anderen damit die Angst vor weiteren Funktionen und Formeln genommen zu haben. Gleich nach der Pause werden, wie eben angesprochen, uns um Zählenwenn$ kümmern.

13          AUSBLICK (WARUM, WOZU, WIE, WAS-TYP)

Neugierig machen auf das was mit dem Verfahren möglich ist. Vor allem aber was es sonst noch gibt für das es sich lohnt weiter zu machen.

Beispiel:
Nächste Woche geht es dann einen Schritt weiter. Wir werden uns um die Königsübung, den Pivot Tabellen kümmern. Eines sei schon verraten: Die Pivot-Tabellen werden anhand einer leckeren Gemüsesuppe erklärt. Vielen Dank und bis zum nächsten Excel-Date.

 

Zusammenfassung:
In diesem Beitrag wurden die historischen Grundlagen des 4 Mat Systems erklärt. Wir haben uns mit den vier Lerntypen beschäftigt. Aber nicht nur das, wir haben uns auch mit den Verhaltensweisen der unterschiedlichen Lerntypen befasst. Alle 13 Formatschritte wurden mit eingängigen Beispielen erklärt. Als Erklärungsmodell wurde die Funktion „Zählenwenn“ in Excel erklärt.